| Nach der Wende dauerte es nicht allzulang bis auch
in Dresden die ersten Graffities entstanden und die ersten richtigen
Pieces auf Wänden und Zügen entstanden, parralel dazu existierte
in Dresden ja schon seit geraumer
Zeit eine kleine Hip Hop-Szene, nicht zuletzt durch die in Dresden stattgefundenen
Hip Hop-Events, wie der
Rap-Contest in Radebeul oder die legendären Hip Hop-Parties in
der Scheune.
So wurde Anfang der 90iger von GRIOT und TRICKSTER das Hip Hop-Magazin
BOOMY (der Name stellte
Einen ironischen Bezug zu einer Vorschulzeitschrift namens BUMMI
aus der DDR her) ins Leben gerufen,
welches den damaligen Hip Hop mit seinen 4 Bestandteilen
repräsentieren und darstellen sollte.
Das Boomy-Mag stellte in seiner Art ein echtes Stück Pionierarbeit
in Sachen Hip Hop-Journalismus in den frisch entstandenen 5 neuen Bundesländern
dar. Die durch Wende zerstörten Verbindungen der Ost-Hip Hop-Szene
entstanden gerade erst neu, und somit kann man die Boomy und seine Macher
uneingeschränkt mit Pionieren wie der Swat-Posse in einem Atemzug
nennen.
Fernab von kommerziellen Zielen stellte Ausgabe 1 der BOOMY,
vollkommen in schwarzweiß gehalten ein
Richtiges Underground-Magazin dar. Von Anfang an war man bemüt
den 4 Disziplinen gleichermaßen Raum
Zu geben, als auch Leuten von außen die Möglichkeit sich
in das ganze mit einzubringen.
So gab es in der ersten Ausgabe unter anderem einen Artikel über
das damals noch frisch gegründete Label BLITZ Vinyl,
einen Bericht über London, jede Menge Graffiti-Sketches unter anderem
von SIMO, SKIP;
CRAZY und ZEN und diverse Artikel über Parties und Dates.
Von diesem Grundstein aus, erschien die BOOMY nun in unregelmäßigen
Abständen , wobei die Professionalität ständig wuchs,
gleichberechtigt mit dem ständig hohen Anspruch die Szene möglichst
ehrlich und ungefiltert zu informieren. Die BOOMY entwickelte sich zu
einem akzeptierten und interressanten Szene-Underground-Inzine. Die
ersten Verbesserrungen waren ab Ausgabe 2 eine Doppelfarbseite in der
Mitte, auf der
Nun auch diverse Graffitis aus Dresden und Umgebung gezeigt werden konnten.
Durch zunehmend bessere
Infrastruktur innerhalb der gesamtdeutschen Hip Hop-Szene konnte man
auch mehr und mehr Anzeigensponsoren gewinnen, was der BOOMY im Laufe
der ganzen Ausgaben zu immer mehr Farbseiten
Verhalf. Nichts desto trotz war die BOOMY immer eine finanzielle Blutgrätsche
und wäre ohne jede Menge Eigeninvestierung des festen Mitarbeiterkerns
garnicht möglich gewesen.
Ein vorläufiger Höhepunkt stellte zweifelsohne die Zusammenarbeit,
in Form einer Doppelausgabe mit dem bekannten Münster-Magazine
KING STYLES dar. Letzten Endes kam aus mehreren Gründen
nach 10 Ausgaben das Aus für die BOOMY. Ein Versuch das Konzept
aufgriffen in anderem Rahmen, Format und Inhalt neu zu beleben unter
dem Titel BOOMY-the second Level scheiterte und wurde nach
der Wiedergeburt nach der 2.Ausgabe wieder eingestellt und stellte den
Schlußstrich unter dieses Kapitel dar.
Ca. ´96 dann erneute Hoffnung: die zwei Sprayer. Bzw. Graffitibegeisterten
Kai Damme und Michael Sewitz riefen das FAME-MAG ins Leben. Mittels
finanzieller Beihilfe 2er Sozialarbeiter und der sozialen Einrichtung
Jugendhaus Gamigstraße entstand 1996 die erste Ausgabe. Das Famemag
stellte ein reines Graffitimagazin dar und beinhaltete unter anderem
ein Interview mit Andy K., sowie jede Menge Graffiti-Seiten älterer
und neuerer
Wände, Züge und Sketches. Dennoch stieß man innerhalb
der Szene auf geteilte Meinungen und Ablehnung.
Das FAME-MAG erreichte trotz Planung nie seine Fortsetzung, somit sollte
es bei der ersten Ausgabe bleiben.
Erst 2,5 Jahre später endlich fanden sich wiederrum mehrere Leute
aus der Graffitiszene zusammen und gründeten das Magazin CROMATICS.
Mittels jede Menge Idealismus und Eigeninitiative wurde eine überzeugende
erste Ausgabe veröffentlicht. Trotz eindeutig überwiegendem
Interresse gegenüber dem illegalen
Teil von Graffiti und der (Fast)Ignorierung legaler Wände oder
Skizzen erhielt das Magazin eine hohen Zuspruch in der Szene. Lag in
Ausgabe 1 der Hauptschwerpunkt noch hauptsächlich auf dem Darstellen
der Graffities konnte man schon die Richtung erkennen, die man anstrebte,
mit Ausgabe 2 begann man zunehmend den gestalterischen Aspekt des Magazins
in den Vordergrund zu rücken. Zwar lag nach wie vor das Hauptaugenmerk
auf dem illegalen Bereich, doch schaffte man auch Raum für den
künstlerischen Aspekt der Sache, unter anderem durch innovatives
Layout in Verbindung mit diversen in Fremdleistung entstandenen
Seiten, was zeigte, das die CROMATICS wert auf die Mitarbeit der Szene
legte.
Mit Ausgabe 3 machte man einen weiteren großen Schritt in Richtung
Innovation, man verließ den dogmatischen Graffiti-Magazin-Pfad
und es entstand eine große Collage vieler unterschiedlichster
Stile aus den unterschiedlichsten Ecken der Dresdner Graffiti-Szene
und darüber hinaus. Wiederrum entstanden viele Seiten von freien
Mitarbeitern und gaben jedermann genügend Raum sich darzustellen,
unabhängig ob legal oder illegal, ganz im Gegensatz zur tatsächlichen
Graffiti-Szene Dresdens.
Seit geraumer Zeit, wartet man nun auf die Ausgabe Nummer 4, doch wie
schon anfänglich berichtet, ist solch ein Magazin nur mit viel
Energie und Eigeninitiative zu realisieren, insbesondere, wenn man das
ganze Konzept weiterentwickeln möchte.
Insbesondere die finanzielle Belastung eines solchen Magazins sollte
man nie vergessen. Insofern gilt es Geduld zu bewahren und genügend
lohnenswertes Material zum dokumentieren zu schaffen.
Ein Dank geht daher von hieraus an alle Leute die
mit Schweiß und Blut dafür gesorgt haben, das wir in der
Vergangenheit immer wieder in Genuß solch wertvoller und mit Liebe
gemachten Magazine gekommen sind.
Der Text ist inhaltlich ohne Gewähr -mögliche Fehler möchten
wir entschuldigen. Für Statements zu dem Artikel sind wir dankbar.
Bis dahin.
Wer an Interresse an den Magazinen hat, wird bezüglich der BOOMY
und dem FAME-MAG nur mittels Suche und Stöbern vielleicht Glück
haben, in der Regel ist es inzwischen fast unmöglich diese Relikte
noch zu beschaffen.
Bezüglich der 3 Ausgaben der CROMATICS checkt
die Homepage der Jungs www.cromatics.de
und bestellt Euch die Teile dort
-es lohnt sich !
slide@bandits-dresden.de
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